Im Test: Tefal ActiFry smart XL

Warum der Test?

Da ich mich ja für alle möglichen Dinge rund um den Themenbereich Essen und Trinken UND für Elektrogeräte interessiere, habe ich mich vor einiger Zeit für das Programm Lecker Scouts der Zeitschrift Lecker beworben. Nun wurde ich als Testerin ausgewählt und durfte das erste Produkt ausprobieren: Die Tefal ActiFry smart XL.

Was ist das?

Die Tefal ActiFry smart XL ist eine Heißluft-Fritteuse. Heißluft-Fritteusen gibt es natürlich schon lange, aber dieses Gerät hat eine Besonderheit: Es lässt sich mit einer Smartphone-App bedienen, die die „Fritteuse“ per Bluetooth steuert. Natürlich funktioniert die ActiFry smart auch ohne App, indem man einfach die Zeit einstellt. Die Steuerung per App hat aber den Vorteil, dass man erstens nicht die ganze Zeit in der Küche stehen muss. Zweitens sind einige Rezepte so aufgebaut, dass sich der Rührarm nicht die ganze Zeit bewegt. Bei panierten Gerichten hat dies den Vorteil, dass sich die Panade zunächst etwas festigen kann und der Arm dann erst in Bewegung gesetzt wird.

Die Rezepte der App werden regelmäßig aktualisiert.

Zu den Fakten: Die ActiFry smart XL hat 1550 Watt, kann 1,5 Kilo Frittiergut verarbeiten und bis zu 6 Portionen zubereiten. Sie hat ein LC-Display, einen Timer und stoppt am Ende des Garvorgangs mit einem Signalton. Die abnehmbaren Teile dürfen alle in der Spülmaschine gereinigt werden.

Design

Das Design der Bluetooth-Fritteuse ist aufsehenerregend. Jeder Besucher fragt, was das denn wohl sein könnte. Ich mag das Design des „Colani-Ufos“ mit Reichstag-Kuppel sehr und finde, es hat einen Red-Dot-Award verdient. Die wirklich große und kugelrunde Kuppel ermöglicht zudem eine sehr gute Sicht auf das Gargut. Der Nachteil des ausladenden Designs ist der Platz, den das Gerät einnimmt. Es ist zu sperrig für die meisten Küchenarbeitsplatten und auch nicht handlich genug, um es im Schrank zu verstauen und immer wieder herauszuholen.

In der Praxis

Zunächst muss ich erwähnen, dass Heißluft-Fritteusen nicht neu für mich sind. Ich besaß vor ein paar Jahren eine „normale“ ActiFry. Ein sich rotierender Arm, Zeiteinstellung und fertig. Dieses Gerät ging leider gegen Ende der Garantiezeit kaputt, wurde dann repariert und gab nach ein paar Monaten ganz den Geist auf. Dann haben wir einen Philips Airfryer XL gekauft. Der Airfryer unterscheidet sich etwas von der ActiFry, weil er keinen Rührarm, dafür aber eine Temperatureinstellung hat. Da das Gargut hier nicht gedreht wird, ist der Airfryer z.B. prima zur Zubereitung von Steaks geeignet. Pommes frites dagegen muss man mindestens einmal zwischendurch schütteln.

Die Actifry smart XL zeigt sich zickig in der Handhabe. Ohne die App und Bluetooth-Funktion - und damit auch ohne das Alleinstellungsmerkmal der ActiFry smart XL - klappt alles prima. Zutaten rein, Messlöffel Öl dazu, Minuten einstellen und los.

Aber ich möchte die ActiFry ja richtig testen und installiere die App. Die Installation klappt mühelos. Wenn man sich bei Tefal registriert, werden alle Rezepte freigeschaltet. Zudem kann man als Besitzer der ActiFry smart XL eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, was ich nicht getestet habe. Dann koppelt man die Actifry mit der App. Die Kopplung funktioniert beim iPhone 6 plus sehr gut; beim iPad Pro bis heute nicht. Da muss der Hersteller wohl noch ein Update der App nachliefern.

Steht die Bluetooth-Verbindung, kann es losgehen. Man befolgt die Anweisungen auf dem Bildschirm und füllt das Wunderkesselchen in der vorgegebenen Reihenfolge mit den Zutaten. Hier und da wird man noch darauf aufmerksam gemacht, dass die Lebensmittel auf der Griffseite in den Topf gegeben werden sollen.

Interface der App

Interface der App

Ich lasse mich also von der App anleiten, was wann und wie in den Topf gehört. Das ist für jemanden, der „richtiges“ Kochen gewohnt ist, ein etwas eigenartiges Gefühl. Der komplette Blindflug, blutiger Kochanfänger oder die Mutter guckt über die Schulter. Man muss darauf vertrauen, dass die Rezepte so stimmen und die Entwickler bzw. Köche sich etwas dabei gedacht haben, denn ich weiß ja nicht, was 20 Minuten (übrigens immer 150 Grad) heiße Luft aus einer Bolognese-Sauce machen. Und das hat ja auch was. Nicht nachdenken, schnell etwas einwerfen und eine leckere Mahlzeit kochen lassen. Ab auf die Couch - oder in meinem Fall oft zurück zur Bildbearbeitung - und mit dem Handy kontrollieren, wann wir essen können.

Ja, das wäre schön… Am Schreibtisch merke ich, dass bei der App oben in der rechten Ecke ein Symbol ungeduldig blinkt. Die Verbindung zur ActiFry smart XL wurde unterbrochen. Dann steht die Verbindung wieder. Dann wird sie wieder unterbrochen. Und statt Bilder zu bearbeiten, laufe ich entnervt in der Wohnung herum und teste, in welchen Räumen die Verbindung zwischen der App und der ActiFry erhalten bleibt. Am Ende bleibt nur ein Raum übrig. Ihr werdet es ahnen: die Küche. Also aus die Maus mit der drahtlosen Hightech-Kocherei. Zumindest in unserer Altbau-Wohnung hat man beim modernen Kochen mit der ActiFry smart XL in der Küche zu bleiben. Oder man lässt das Smartphone in der Küche liegen und stellt sich einen Wecker, damit man das Ende der Garzeit im Auge behält. Das geht dann aber nicht mit dem Smartphone. Denn das muss ja in der Küche bleiben und den Kochvorgang steuern.

Experiment 1: Bolognese-Sauce

 
 

Die Bolognese-Sauce nach dem Rezept aus der ActiFry-App war sehr flüssig, das Hackfleisch zäh und teilweise fast verbrannt. Ich musste das Gericht im Topf weiter kochen bzw. einreduzieren.

Experiment 2: Rühreier

 

 
 

Das Ergebnis war erstaunlich fluffig und geschmacklich prima. Bei der alten ActiFry hätte man ein solches Gericht gar nicht zubereiten können, da die Flüssigkeit immer unter die Schüssel und damit in den Motor hätte gelangen können. Die smart XL ist aber so konstruiert, dass auch Flüssigkeiten verarbeitet werden können. Die Kocherei war eigenartig. Ich hätte nie erwartet, dass derart durchgepustete Eier nicht ausgetrocknet, sondern luftig und einfach toll werden würden.
Bei den Rühreiern war ärgerlich, dass so viel Ei am Rührarm hängen blieb.

Experiment 3: Rosenkohl mit Gehacktem

 
 

Ich liebe angebratenen Rosenkohl. Damit er gut durchgart, habe ich Rosenkohl in Scheiben geschnitten und mit etwas Rinderhack und einem Messlöffel Öl ca. 20 Minuten frittiert. Das Ergebnis war super: gute Röstaromen und gleichmäßig gegart.

Experiment 4: Wirsing

 
 

Noch ein Gemüse, das ich angebraten köstlich finde. Wirsing kleinschneiden, einen Messlöffel Öl und einen Messlöffel orientalische Gewürzmischung ca. 23 Minuten knusprig frittieren: ein Traum.

Experiment 5: Hilfe beim Weihnachtsmenü

 
 

Bei unserem Weihnachts-Festessen konnte die ActiFry smart XL glänzen. Unser mittlerweile traditionelles Bœuf bourguignon ist ein wunderbares und gut vorzubereitendes Schmorgericht, das ziemlich viele Arbeitsschritte erfordert. Die ActiFry durfte die Perlzwiebeln mit Kokosfett anbraten, so dass ich in der Zwischenzeit das Fleisch anbraten konnte. Durch das Rühren und die gleichmäßige Wärme war ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Experiment 6: Kürbis

Das ist mein Favorit. Gerösteter Kürbis schmeckt sensationell. Ich serviere ihn mit Reis, Kartoffeln, Kartoffelpüree oder verarbeite ihn zu Kürbissuppe. Mein in Würfelchen geschnittener Hokkaido (natürlich mit Schale) brauchte mit Kokosfett und Baharat-Gewürzmischung genau 19 Minuten. Die Würfel gelingen besser als im Backofen und sind auch eine prima Risotto-Ergänzung.

Experiment 7: TK-Pommes

Die Tiefkühl-Pommes garen sehr gut, sind außen knusprig und innen schön soft. Ich habe aber 5 Minuten von der vorgegebenen Garzeit abgezogen.

Und das Ergebnis ist sogar sehr fotogen:

 
 

Pro und Kontra

Nun möchte ich noch einmal auf die Stärken und Schwächen der ActiFry smart XL eingehen.

Pro

  • gleichmäßiges Garen
  • wenig Fett
  • viel Volumen (für bis zu 6 Personen)
  • Schüssel leicht zu reinigen
  • Gemüse wird sehr schön knusprig
  • auch für panierte Lebensmittel
  • tolles Design
  • klares Display
  • „automatisches“ Kochen (nur bei ausreichender Bluetooth-Reichweite)
  • da die Gartemperatur 150 Grad nicht übersteigt, werden die Lebensmittel nicht verkocht

Kontra

  • kein Aus-Schalter (Ausschalten nur durch Ziehen des Netzsteckers)
  • Rührarm lässt sich schwer reinigen und sieht jetzt schon abgenutzt aus
  • Griff minderwertig, macht keinen stabilen Eindruck
  • ziemliche Dampfentwicklung im Raum
  • App überarbeitungsbedürftig und Fehler in den Rezepten
  • Bluetooth-Reichweite nicht in allen Räumen gegeben (Altbau, Metall in den Wänden?)
  • man kann der App keine eigenen Rezepte hinzufügen

Fazit / Kaufempfehlung

Generell ist die ActiFry smart XL wie die anderen ActiFry-Modelle sehr gut zur fettarmen Zubereitung von Pommes, Kroketten, Chicken Nuggets, Hähnchenbeinen etc. geeignet. Auch zum Rösten von Gemüse eignet sie sich hervorragend.

Der im Vergleich zu den anderen ActiFry-Modellen hohe Preis ist vielleicht dann gerechtfertigt, wenn die Kinderkrankheiten (schlechte Bluetooth-Verbindung etc.) in einem Update beseitigt werden.

Da man der App keine eigenen Rezepte hinzufügen und somit auch nicht einstellen kann, wann sich der Rührarm (nicht) bewegen soll, wäre eine Zusatztaste am Gerät sinnvoll, die das manuelle Abschalten des Rührarms ermöglicht.