Test: Fujifilm X-Pro 1


Ich möchte zunächst darauf hinweisen, dass mir die Firma Fujifilm  lediglich eine Testkamera zur Verfügung gestellt und mich in keiner Weise für diesen Artikel entlohnt hat.

Weiter geht es mit dem Praxistest spiegelloser Kameras. Nach der Olympus OM-D E5 ist nun eine Systemkamera der Firma Fujifilm an der Reihe: Die Fujifilm X-Pro 1. Ich habe sie mit den Fujinon-Objektiven XF60mm F2.4 R Makro und XF35mm F1.4 R getestet und war damit sowohl für unterwegs als auch für Aufnahmen im Studio gut gerüstet.

Diese Kamera ist schon etwas "älter" (ich glaube von Anfang 2012; obwohl das natürlich kein Alter für eine Kamera ist), unterscheidet sich aber deutlich von den Nachfolgemodellen. Sie ist etwas größer als ihre Nachfolgerinnen, hat einen Hybrid-Sucher und Wechselobjektive. Aber bevor ich anfange zu schwätzen, stelle ich euch die Gute erst einmal vor:

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Eine reine Freude

Ist sie nicht wunderschön? Sie ist viel kleiner als meine Canons, aber immer noch groß genug, um richtig gut in der Hand zu liegen. Schon das Auspacken machte Spaß; die schlichte und elegante Verpackung vermittelt von Anfang an das Gefühl, ein wertiges Produkt zu bekommen. Vielen Fotografen mag egal sein, ob die Kamera in bunten dünnen Pappkartons daherkommt; ich finde es wichtig, dass das Gesamtpaket stimmt. 

Natürlich habe ich wieder mal vorher keine Anleitung gelesen, sondern die Kamera ausgepackt, das Objektiv angeschraubt und angefangen. Aber da war es schon um mich geschehen, und ich war hoffnungslos verliebt. Ein paar Tage vorher hatte ich schon die X100S in Händen gehabt und war mit den Fuji-eigenen Kontrollen so halbwegs vertraut. Aber diese Kamera hat es mir echt angetan. Man kann es nicht mit Worten beschreiben; diese Haptik, das Design, die Größe... Sie liegt einfach perfekt in meinen (für eine Frau zugegebenermaßen viel zu großen) Händen. Und es ist nicht so einfach, sie wieder wegzulegen. Die leichte Verdickung an der rechten Seite sorgt dafür, dass man sie wirklich gut festhalten kann. 

Es gibt auch keine zu kleinen und fummeligen Knöpfchen, die man während des Fotografierens dauernd suchen muss; die Bedienung ist sehr gut durchdacht. Wenn ich früher schon viel fotografiert hätte, würde ich bei dieser Kamera nostalgische Gefühle bekommen, denn wie bei den alten analogen Kameras mit Wechselobjektiv wird die Blende mit einem Ring am Objektiv eingestellt. Und an dieser Stelle komme ich zu einer weiteren Besonderheit dieser Kamera: Es macht richtig Spaß, bewusst zu fotografieren. 

Wer mich kennt weiß, dass ich für jeden technischen Schnickschnack zu haben bin. Trotzdem finde ich diese Kamera äußerst faszinierend, die einfach mal die Luft anhält und einen Schritt zurück geht. Denn statt den Benutzer mit einer Fülle von Automatikprogrammen für Schnee, Haustiere, Feuerwerk, Landschaft und Menschen zu überfrachteten, sind hier die wesentlichen Einstellungen für ein gelungenes Bild schnell und gut zu erreichen: Blende, Zeit und ISO. Natürlich kann man die Wahl dieser drei Parameter auch der Kamera überlassen, aber an Automatikprogramme gewöhnte fotografische Laien werden nicht viel Spaß an dieser Kamera haben.

Selbst der Blick durch den Sucher macht bei der X-Pro 1 Spaß.  Man kann durch Bewegen eines Schalters auf der Vorderseite der Kamera einstellen, ob man einen elektronischen Sucher oder einen optischen haben möchte. Der Blick durch den elektronischen Sucher ähnelt dem Blick aufs Display. Wie schon bei der Olympus kann ich mich nicht damit anfreunden, die Welt durch eine etwas künstliche "Brille" zu sehen. Der optische Sucher hingegen ist wie von Spiegelreflexkameras gewohnt und macht richtig Freude.

Die Bildqualität, die die Kamera liefert, ist wirklich sehr gut. Die Farben sind sehr natürlich, und die Details kommen sehr gut zur Geltung. Rauschen im höheren ISO-Bereich ist angenehm, und beide Objektive zaubern ein schönes Bokeh bei Offenblende. Ich zeige euch einmal ein paar "Unterwegs-Bilder" und muss sagen, dass die Fuji eine prima Begleiterin war. Der Fokus ist nicht rasend schnell, aber für mich bzw. meine Motive flott genug.

Da ich den "neuen" natürlichen Look analoger Filme sehr mag, habe ich die meisten Bilder in diesem Artikel mit den Lightroom-Presets "Replichrome" bearbeitet. 

 
 

Wie schon die Olympus OM-D E5 ist die X-Pro 1 keine Studiokamera. Sie ist dazu gedacht, auf der Straße und in der Landschaftsfotografie eine kleine Begleiterin zu sein, die einen prima Job macht und hervorragende Bildqualität liefert. Trotzdem habe ich natürlich auch diese Kamera auf mein Studiostativ geschnallt um zu sehen, wie sie sich schlägt.

Ich glaube, die folgenden (unretuschierten) Bilder zeigen die erstklassige Bildqualität sehr gut:

 

Die Schattenseiten

Insgesamt bin ich also sehr glücklich mit der Fuji. Aber wo so viel Licht ist, muss auch Schatten sein. Einige Eigenschaften der Kamera haben mir gar nicht gefallen: 

Dioptrien-Einstellung

Wer als Brillenträger auch mal ohne Brille fotografieren will, braucht einen Kamerasucher, bei dem man die Dioptrien einstellen kann. Bei meiner Spiegelreflex ist das mit einer Drehung an einem Einstellrad erledigt. Bei der Fuji X-Pro 1 dagegen kann man die Dioptrien gar nicht verstellen. Im Internet habe ich gelesen, dass man lediglich Vorsatzlinsen kaufen kann, für die man aber auch die genaue Dioptrienstärke wissen muss.

Akku / Speicherkarte

Akku und Speicherkarte stecken in einem gemeinsamen Fach unten an der Kamera (siehe Bild oben). Möchte ich die Kamera nun auf einem Stativ befestigen und dazu eine Stativplatte montieren, muss ich die Stativplatte bei jedem Wechsel von Akku oder Speicherkarte entfernen. Das hätte man sicher eleganter lösen können.

Vorschau

Da ich die Kamera nicht vom Computer aus steuern kann bzw. Tethered Shooting nicht möglich ist (das wäre toll), bin ich auf eine zuverlässige Kontrolle der fotografierten Bilder (Schärfe etc.) angewiesen. Eine ausreichend große Vorschau kann ich nur abrufen, wenn ich nicht nur RAW-, sondern auch große JPEGs mit aufnehme. Ich habe also immer (für mich als RAW-Shooter unnützen) Platz auf der Speicherkarte verschwendet. Dazu kommt, dass beim Hineinzoomen in ein vertikales Foto nur ein schmaler Streifen in der Mitte des Displays und nicht das ganze Display genutzt wird. Diese Fehler könnte man doch vielleicht durch ein Firmware-Update beheben?

Adieu

Es hilft nichts, sie muss zurück. Ungern und nur mit mehreren Anläufen habe ich es geschafft, dieses Prachtstück in seine wunderschöne Verpackung zu legen und zurückzuschicken.

Ich kann die Kamera jedem empfehlen, der eine grundsolide Kamera sucht, die gut in der Hand liegt und durch viele traumhafte Objektive ergänzt werden kann.